Tiergestützte lerntherapeutische Begleitung

Fienchen & Trienchen

Kleine Rennmäuse – große Lernmomente

Manchmal beginnt eine besondere Lernstunde nicht mit einem Arbeitsblatt. Manchmal beginnt sie mit einem leisen Rascheln, einem neugierigen Blick und der Frage: „Was macht die Maus gerade?“

Aus Aufmerksamkeit wird Beobachtung. Aus Beobachtung entstehen Sprache, Geschichten, Lernaufgaben – und manchmal ein ganz neuer Zugang zum Lernen.

Rennmaus im Lernraum
Neugierig im Lernraum

Lernen ist mehr als ein Arbeitsblatt

Kinder lernen mit Aufmerksamkeit, Gefühlen, Bewegung, Beziehung und Motivation. Fienchen und Trienchen schaffen kleine, reale Situationen, über die gesprochen, geschrieben, beobachtet, geplant und reflektiert werden kann.

Beobachten

Wo ist die Maus? Was tut sie? Was verändert sich? Ein konkreter Moment bündelt Aufmerksamkeit.

Sprache entwickeln

Aus Beobachtungen entstehen Wörter, vollständige Sätze, Fragen, Beschreibungen und Geschichten.

Lernen verknüpfen

Lesen, Rechtschreibung, Schreiben oder mathematische Aufgaben werden in einen bedeutsamen Zusammenhang eingebettet.

Rennmaus auf einer Unterlage
Ein kleiner Blickfang kann Aufmerksamkeit bündeln.
Rennmaus erkundet Gegenstände
Aus Beobachtung entstehen Fragen, Wörter und Geschichten.
Fachlich wichtig: Die Rennmäuse ersetzen keine Diagnostik, Psychotherapie oder medizinische Behandlung. Sie können als Teil einer fachlich geplanten lerntherapeutischen Begleitung Lernprozesse emotional zugänglicher und alltagsnäher machen.

Beobachten, innehalten und sich selbst regulieren

Wer Rennmäuse beobachten möchte, muss manchmal Tempo reduzieren, Abstand respektieren, warten und genau hinschauen. Daraus können natürliche Trainingsgelegenheiten für Impulskontrolle und Handlungsplanung entstehen.

Beobachten → Beschreiben → Planen → Durchführen → Überprüfen

Kinder können lernen, kurze Wartezeiten auszuhalten, Stopp-Signale wahrzunehmen, Lautstärke und Bewegung bewusst anzupassen und eine Aufgabe in kleine Schritte zu gliedern.

Rennmaus erkundet einen Tisch
Neugier schafft einen natürlichen Anlass zum Innehalten.
Rennmaus in einer ungewöhnlichen Situation
Ungewöhnliche Situationen laden zum genauen Beschreiben ein.
Wichtig: Selbstregulation wird nicht „von der Maus gemacht“. Entscheidend sind die therapeutische Beziehung, passende Aufgabenstrukturen, klare Grenzen und wiederholtes Üben.

Wenn Lernen plötzlich eine Geschichte bekommt

Für Kinder, die Lesen, Rechtschreiben oder längeres Schreiben bereits mit Misserfolg verbinden, kann eine bekannte Mäusegeschichte einen anderen Einstieg schaffen.

Fienchen: „Ich habe heute einen geheimen Weg entdeckt!“

Kind: „Wo führt er hin?“

Trienchen: „Das verraten wir erst, wenn du drei Hinweise im Text findest.“

Aus einem kurzen Dialog können Leseverständnis, vollständige Sätze, Wortschatzarbeit und Rechtschreibübungen entstehen. Schwierigkeit und Umfang werden an das Kind angepasst.

Rennmaus am Computerarbeitsplatz
Ein Bild kann Ausgangspunkt für Schreibanlass, Erzählung und Wortschatz sein.

Rechtschreibung und LRS: üben mit Bedeutung

Bei LRS bleibt systematisches und passgenaues Üben entscheidend. Mäusethemen können den Übungsrahmen motivierender gestalten, während das fachliche Lernziel klar bleibt.

Mäuse-Wortlisten
lesen, strukturieren, markieren und korrekt schreiben
„Mäusebrief“
Fehler finden und Strategien anwenden statt raten
Abschreibtraining
genau schauen, Wortbild speichern, verdecken, schreiben und kontrollieren
Geschichten & Dialoge
Lückentexte, Diktate, Leseflüssigkeit und Transfer
„Die Geschichte ist die Verpackung – die Strategie ist der Kern.“

Aus Beobachtung wird Sprache

Tierbeobachtung ist reich an Sprache: benennen, unterscheiden, vergleichen, zeitlich ordnen, begründen, vermuten und erzählen. Dabei bleibt Sprache an eine reale Situation gebunden.

Rennmaus zur Sprachbeobachtung
Körperhaltung, Bewegung und Umgebung genau beschreiben.
Rennmaus in einer Beobachtungssituation
Was geschieht zuerst – und was danach?
Ein wichtiges Sprachprinzip: Wir trennen Beobachtung und Deutung. „Die Maus sitzt hinter dem Häuschen“ ist beobachtbar. „Sie hat Angst“ wäre zunächst eine Vermutung. Diese Unterscheidung unterstützt präzise Sprache.

ADHS: Interesse nutzen, Struktur sichtbar machen

Bei Kindern mit ADHS können neue, konkrete Reize Aufmerksamkeit zunächst stark anziehen. Lerntherapeutisch wird dieses Interesse nicht als Dauerablenkung genutzt, sondern in eine klare Struktur eingebettet.

Kurze Aufträge

Überschaubare Arbeitsschritte statt langer Erklärungsketten.

Aktives Beobachten

Eine konkrete Beobachtungsaufgabe wird anschließend mit Lesen oder Schreiben verbunden.

Erst schauen – dann handeln

Vereinbarte Routinen können Impulshemmung und Handlungsplanung unterstützen.

Individuell statt pauschal: Nicht die Diagnose bestimmt die Methode. Entscheidend sind das einzelne Kind, seine Interessen, sensorischen Bedürfnisse, Kommunikation, Tagesform und die konkreten Förderziele.

Grenzen, Verantwortung und Tierwohl

Ein Tier hat eigene Bedürfnisse. Genau darin liegt ein wichtiger Lernwert: Nicht alles, was ein Kind gern möchte, ist in diesem Moment passend. Beobachten kann wichtiger sein als Anfassen. Rücksicht bekommt einen unmittelbar nachvollziehbaren Sinn.

Katze Willow am geschützten Rennmausbereich
Auch andere Tiere im Praxisumfeld machen Grenzen und Sicherheit sichtbar.
Beaufsichtigte Situation mit Katze Willow
Begegnungen werden kontrolliert, beaufsichtigt und am Tierwohl ausgerichtet.
Sicherheit steht an erster Stelle: Ein direkter Kontakt zwischen Katze und Rennmäusen ist kein Lernziel. Situationen im Praxisumfeld können Gespräche über Bedürfnisse, Körpersignale, Abstand, Sicherheit und Perspektivübernahme anregen.
Katze Willow beobachtet den geschützten Bereich
Genau beobachten: Wer befindet sich wo?
Katze Willow am geschützten Bereich
Regeln haben einen nachvollziehbaren Grund.

Vom Tiermoment zum individuellen Lernziel

Ein einziger Tiermoment kann unterschiedliche Förderwege eröffnen. Eine Maus auf dem Tisch wird zum Anlass, Verben zu sammeln. Ein Foto wird zur Bildbeschreibung. Ein Mäusedialog wird zum Rollenlesen. Eine Geschichte enthält Zielwörter. Warten kann mit einer Stopp-Regel verbunden werden. Materialien können gezählt und verglichen werden.

Die Auswahl geschieht nicht nach einem starren Programm, sondern ausgehend vom individuellen Förderziel.

Neugier darf der Anfang von Lernen sein.
Aus kleinen Entdeckungen können große Lernschritte entstehen.
Rennmaus im Lernraum
Neugier darf der Anfang von Lernen sein.
Rennmaus am Arbeitsplatz
Aus kleinen Entdeckungen können große Lernschritte entstehen.

Für Eltern und Interessierte

Gern erkläre ich im persönlichen Gespräch, ob und in welcher Form tiergestützte Elemente für ein Kind sinnvoll sein können. Entscheidend ist immer die individuelle Situation – nicht eine Diagnose allein.

Andrea Berghaus
Integrative Lerntherapie · Familienatelier · Wundersam-Wirkend

Einblicke aus dem Praxisumfeld

Hinweis zu Tierwohl, Bildrechten und Copyright

Tiergestützte Elemente werden achtsam, freiwillig und unter Berücksichtigung von Sicherheit, Hygiene, Rückzugsmöglichkeiten und Tierwohl eingesetzt. Ein Tier muss in der Lerntherapie niemals „funktionieren“. Benötigen Fienchen oder Trienchen Ruhe, wird dies respektiert.

Die verwendeten Fotografien dienen der Darstellung der lerntherapeutischen Arbeit. Erkennbare Personen – insbesondere Minderjährige – werden nur auf Grundlage der jeweils erforderlichen Einwilligungen veröffentlicht. Dialoge, Geschichten, Übungsbeispiele und Fördermaterialien können exemplarisch entwickelt oder verändert worden sein und sind nicht automatisch als wörtliche Wiedergabe einer konkreten Therapiesituation zu verstehen.

© 2026 Andrea Berghaus – Wundersam-Wirkend. Alle Rechte vorbehalten. Texte, eigene Fotografien, Förderideen, Übungen, Geschichten, Dialoge und Gestaltungselemente dürfen außerhalb der gesetzlich zulässigen Grenzen nicht ohne vorherige Zustimmung vervielfältigt, bearbeitet, veröffentlicht oder weitergegeben werden.